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Stadtplanung

Ein Stück China aus Unterhaching

Chinas Wirtschaft boomt, die Urbanisierung steigt, ganze Städte werden aus dem Boden gestampft. Anteil daran hat ein Architekturbüro in Unterhaching: Das Team um Alexander Schwab plant das Stadtzentrum für die Stadt Yiwu.

Wie ein anmutig geschwungener Vogelkopf wird das künftige Stadtzentrum der ostchinesischen Stadt Yiwu aus der Luft ausssehen, wenn es einmal fertig ist. Ausgedacht hat sich diesen Grundriss das Unterhachinger Architekturbüro Alexander Schwab und es bekam damit den Zuschlag für den Bau des Stadtzentrums in Yiwu. Sein Team bestimmt nun mit, wie das Herz einer 800 000-Einwohnerstadt aussieht, welche Wege die Menschen darin gehen, in welcher Weise Kinos, Restaurants, Büros, Geschäfte und Wohnhäuser angeordnet und gestaltet sind.

„In Europa würde natürlich keiner auf die Idee kommen, irgendwo einfach ein komplett neues Stadtzentrum hinzuhauen“, sagt Schwab. Doch in China stehen die Dinge anders: Der Reichtum steigt, immer mehr Bewohner ziehen in die Städte, die wachsende Mittelschicht strebt nach Konsum, Entspannung und Vergnügen. Die Regierung hat in Yiwu ganz bewusst eine 40 Hektar große Fläche im südlichen Teil der Stadt freigehalten. Dort soll jetzt zusätzlich zum alten historischen Zentrum ein topmodernes, brandneues Einkaufs- Geschäfts- und Vergnügungsviertel entstehen. Die Ober- und Mittelschicht von Yiwu wird in Zukunft hierherkommen, um im Kino, Theater oder Restaurant Zerstreuung zu suchen und ihr Geld in Designer-Boutiquen, Fitnessstudios und Kosmetiksalons zu lassen.

Hilfreich war für den Architekten, dass die chinesische Architektin und Bildhauerin Kelin Hu zu seinem Team gehört. Sie kennt die uralten Gesetzmäßigkeiten und Prinzipien chinesischer Philosophie, beispielsweise aus dem Taoismus und Tai Chi, die das Team in moderne Architektur übersetzt hat: Im Schwabs Modell glitzert in der Mitte des Zentrums ein kreisrunder See, an dessen Ufer sich spiralförmig Gebäude hervorwinden wie ein Hai aus dem Meer. Böden sind gläsern, Rampen erinnern an Bergpfade und die 64 Hexagramme aus der chinesischen Polaritätslehre Tai Chi spiegeln sich in einem Raster aus 64 Blöcken wider. Formen erinnern an Scherenschnitte und Schriftzeichen. „Die Stadt will durch das neue Viertel zum Leuchtturmprojekt werden“, schwärmt Schwab - er und sein Team haben einen gewaltigen Anteil daran.

Quelle: Münchner Merkur, Ausgabe vom Donnerstag, den 07.10.2010, Landkreis Süd, Seite 33