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Signale für die Logistik

Ein Signal für die Logistik

Als die Firma Immogate 2007 beschloss, ein neues Logistikzentrum in Schwaig am Münchner Flughafen zu errichten, gab es weder die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) noch ein deutsches Zertifizierungssystem. Doch eines war klar. Immogate wollte hier ein nachhaltiges Logistikzentrum bauen, das wegweisend sein sollte.

Es sollte über die bekannten Forderungen „grüner“ Gebäude hinaus auch die beiden anderen Forderungen der Nachhaltigkeit erfüllen: also neben der ökologischen Nachhaltigkeit, auch die ökonomische und soziale Nachhaltigkeit. Denn nur wenn diese drei Aspekte des „Goldenen Dreiecks der Nachhaltigkeit“ ausbalanciert berücksichtigt werden, war für Immogate, seine Architekten und Ingenieure das Ziel einer wegweisenden Logistikimmobilie erreicht.

Schon bei der Grundsteinlegung am 28.07.2008 betonte der Bauherr Günther Jocher, der Architekt Alexander Schwab und Bürgermeister Helmut Lackner die vielen positiven Aspekte die bei diesem Logistikzentrum berücksichtigt werden: die Verwendung CO2-armer Baustoffe,  der Einsatz nachwachsender Rohstoffe , die Schonung der Umwelt durch sparsamen Umgang mit Wasser und Energie und die Vermeidung von schadstoffhaltigen Materialien.

Schon bald darauf wurde das deutsche Zertifizierungssystems von der DGNB entwickelt. Es begann mit der Zertifizierung von Büroneubauten, doch schon bald wurde der Ruf nach weiteren Systemvarianten laut. Durch die Initiative von ASA Architekten und einigen anderen, vor allem auch Frau Braune von PE International wurde eine Arbeitsgruppe „Industriebau“ gegründet, bei der vor allem auch das ILC als Pilotprojekt Pate stand.

Das neue Büro- und Logistikgebäude für den Hauptsitz der Firma Immogate befindet sich in Schwaig, in der Nähe des Flughafens München, nahe an der Autobahn A92.

Die große Logistikhalle besteht eigentlich aus zwei Hallen, getrennt durch eine zentrale Brandwand. Das integrierte Sprinkleranlagen-System ermöglicht jeder Halle eine ununterbrochene Fläche von 10.000 m ².

 Jede der beiden Hallen hat zwischen 27-30 LKW Andockrampen, welche das Be- und Entladen von Waren in jeden Bereich der Halle ermöglichen. Durch die Unterteilung jeder Halle in acht separate Vermietungseinheiten wird eine große interne Flexibilität erreicht. Das Vertriebszentrum hat zusätzlich ein Mezzaninegeschoss über den Andockrampen, auf dem weitere 3.000 m ² zur Verfügung stehen, entweder als zusätzliche Lagerfläche oder um sie später zu Büroräumen auszubauen.

Bereits in der frühen Entwurfsphase wurde ein Nachhaltigkeitskonzept für das Projekt entwickelt. Der wirtschaftliche Einsatz von Materialien wurde z. B. durch Verwendung von CO² -neutralen Holzbindern für die Dachkonstruktion erreicht. Die bewehrungslose Bodenplatte kommt ohne ein Gramm Stahl aus und ermöglicht einen problemlosen Rückbau. Viel natürliches Licht vom Dach und die Beheizung mit Dunkelstrahlern stellen eine weitere energieeffiziente Lösung dar. Mit den flexiblen Strahlern können zielgerichtet arbeitsintensive Bereiche beheizt werden. Zugleich spart die direkte Wärme Heizvorlauf-zeiten und viele Meter unnötig beheiztes Leitungsrohr.

Getrennt von der Halle steht das Bürogebäude, das der Hauptsitz des Bauherrn Immogate und von Group7 ist. Das Gebäude verkörpert durch seine Architektursprache den unternehmerischen Erfolg der beiden Firmen. Die Eingangslobby führt zu einem zentralen Treffpunkt auf der Galerie und zu der Lounge im zweiten Stock. Diese bilden wichtige Bereiche, in denen Mitarbeiter und Kunden in einer entspannten Atmosphäre kommunizieren können.

Eine der vielen intensiven Vorarbeiten, die zu diesem beispielhaften Gebäude führten, war die Frage der optimalen wirtschaftlichen und energetischen Beheizung der Halle. Drei verschiedene Ingenieurbüros verglichen unabhängig voneinander die Heizsysteme Geothermie in Kombination mit einer Industriebodenheizung, Deckenumluftgeräte und Dunkelstrahler hinsichtlich Primärenergieeinsatz bei Herstellung, Betrieb, Wartung und Rückbau, Wirtschaftlichkeit, Energieeffizienz, Wartungsfreundlichkeit, Zugerscheinungen und Arbeitsplatzkomfort. Das wirklich interessante und überraschende Ergebnis war, dass das altbekannte System der Beheizung von Hallen mit Dunkelstrahlern im Hinblick auf die Nachhaltigkeit, also in der Zusammenschau aller 3 Aspekte, eindeutig als Sieger aus diesem Vergleich hervorgegangen ist.

Einen besonders großen Beitrag zum Arbeitsplatzkomfort, dem Wohlgefühl der Mitarbeiter am Arbeitsplatz leistet das Dachtragwerk aus Holz mit seinem hohen Tageslichtanteil, den die langen Oberlichtbänder liefern. Nebenbei trägt das Tragwerk aus zertifiziertem Holz aus Österreich mit seiner relativ großen Masse erheblich zur positiven Ökobilanz des gesamten Gebäudes bei. Zusätzlich benötigt man durch das geringe spezifische Gewicht von Holz, z.B. gegenüber Stahlbeton nur 1/6 der Transporte (also volle Hinfahrten und leere Rückfahrten) auf die Baustelle.

Im Oktober 2009 erhielt das Immogate Logistikcenter in Schwaig bei München im Rahmen der Immobilienmesse EXPO REAL das Gütesiegel „Nachhaltiges Bauen“ in Gold. Das Zertifikat wurde von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) erstmals an einen Logistikkomplex verliehen. Schwerpunkte der bewerteten Aspekte waren komplexe Themen wie Ökobilianz, Berechnungen zur Rückbaubarkeit des Gebäudes, Drittverwendbarkeit oder Maßnahmen für den Immisionsschutz, um nur einige zu nennen.

Quelle: media mind, Magazinreihe, Logistik und Verkehr 2012, Seite 38/39